Fahrräder, wohin der Bagger greift
13. Dezember 2016
Das Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt lässt rund 1,2 Kilometer der Paar vom Müll befreien. Es wird aufgeräumt an der Paar in Schrobenhausen. Das Wasserwirtschaftsamt lässt bis Donnerstag Müll aus dem Fluss baggern. Möglich macht das der niedrige Wasserpegel der für Bauarbeiten an der Arnoldsmühle gesenkt wurde, erklärt Hauptflussmeister Pascal Dittert.

Vorsichtig tastet der stählerne Arm des rund zwölf Tonnen schweren Baggers den Boden des kleinen Flüsschens Paar ab. Dann greift die Schaufel zu, langsam hebt der Baggerfahrer per Druck auf einen Hebel die Schaufel aus dem vorbeiplätschernden Wasser. Ein Fahrrad hat der Bagger fest zwischen den Zähnen seiner Schaufel eingekeilt. An dem Hinterrad des verrosteten Zweirades hängt ein weiterer Drahtesel – ebenfalls vom Rost zerfressen.

Fahrräder sind die Hauptbeute, die der Schreitbagger – so nennt sich das Gerät im Wasser im Expertendeutsch – gestern Vormittag in der Nähe der Fußgängerbrücke am Jahnweg macht. Alleine sieben Stück in knapp fünf Minuten. Da staunen selbst Hauptflussmeister Pascal Dittert und sein Vorarbeiter Norbert Kraus nicht schlecht. Der Haufen Altmetall der am Rande des Flüsschens in der Nähe der Stadthalle liegt, wird immer größer. Die Erklärung liegt für Dittert, der für das Ingolstädter Wasserwirtschaftsamt seit 1999 Herr über ungezählte Flusskilometer ist, auf der Hand: „Das ist ein öffentlicher Weg, da wird das Zeug einfach von der Brücke geworfen.“ Dort, wo die Bebauung bis ans Ufer heranreicht, wo Zäune die Grundstücke an der Paar begrenzen, finde sich deutlich weniger Müll im Wasser. Ab und zu mal ein bisschen Bauschutt oder der umgefallene Betonpfeiler eines alten Zauns. Aber mehr nicht.

Den Bagger, der bis zu einer Wassertiefe von 1.50 Metern durch den Fluss waten kann, so Dittert, hat er bei einer externen Firma bestellt. Drei bis vier Wochen dauere es, bis er so einen Bagger für den knapp viertägigen Einsatz in Schrobenhausen bekommt. Schließlich, so Dittert, gäbe es genau diese Geräte nicht so häufig. An Land im Einsatz ist ein Traktor mit Baggerschaufel. Er türmt den Müll, den der Schreitbagger am Ufer ablegt, zu einem großen Haufen auf. „Das muss dann alles sortiert und entsorgt werden”, sagt Dittert. Das dauere erfahrungsgemäß am längsten bei der ganzen Aktion.

Insgesamt sind sechs Leute des Wasserwirtschaftsamtes im Einsatz. Hinzu kommt der Baggerfahrer. Immer wieder ist auch ein Ruderboot unterwegs. Das transportiert manche Fundstücke aus dem Fluss an die Uferstellen, an denen der Unrat gesammelt werden kann. Denn, so Dittert, nicht überall könne der Bagger einfach durch das Ufergehölz den Müll an Land ablegen.

Der 52-jährige Dittert weiß aus Erfahrung, dass sich Passanten oft wundern, warum die alten Baumstämme im Wasser liegenbleiben. „Für manche Menschen ist das Mull”, sagt Dittert. Aber nicht für den Hauptflussmeister: „Das Holz gehört mit zum Gewässer.“ Es sei ein Stück Natur, das mit helfe, die Artenvielfalt im Fluss zu sichern. Es biete Lebensraum für viele Kleinsttiere. Dittert: „Es gibt noch etwas anderes als Fische.” Bis voraussichtlich Donnerstag dürften Ditterts Leute die rund 1,2 Kilometer Paar zwischen der Brücke in der Aichacher Straße und dem Mühlrieder Weg durchgekämmt haben, schätzt Dittert. Die Gesamtkosten der Aufräumaktion werden laut Dittert wohl zwischen 10.000 und 15.000 Euro liegen.

Schrobenhausener Zeitung vom 16. 11.2016, Seite 23
Autor: Jürgen Spindler, Schrobenhausener Zeitung, Veröffentlichung mit Genehmigung des Donaukurier / Schrobenhausener Zeitung

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